Urlaub 2020 und…

Von Cordula Kaplick

DM auf dem Steinhuder Meer
……fiel ja leider aus, wie so viele Wettfahrten in diesem Jahr. Doch nun von Anfang an. Im Januar 2018 haben Andreas und Karsten sich besprochen und geplant, die DM 2019 der VA gemeinsam mit unserem Vereinsboot zu segeln. Kurzer Blick zwischen Ute und mir und wir wussten, eine VA muss für uns gekauft werden. Nach deutschlandweiter suche konnten wir nun Anfang 2019 von Rainer die 222 erwerben und doch die DM mitsegeln. Tja, leider nur zu wenig Wind. Schnell war der Entschluss da, dann eben im nächsten Jahr in Steinhude es noch einmal zu versuchen. Zeitnah haben Karsten und ich dann eine FeWo in Mardorf gebucht, um nicht eine Woche im Auto oder Zelt schlafen zu müssen.

Mit dem Saisonstart wurde uns allen bewusst, das dieses Jahr geprägt sein wird mit Schliessungen, Absagen , Einschränkungen und sehr viel Flexibilität.

Statt wie jedes Jahr mit unserer VA 438 (K4) nach Neuruppin zum Urlauben zu fahren, wollten wir die gebuchte FeWo in Mardorf nutzen und damit uns nicht langweilig wird, habe ich im SKMI nachgefragt, ob wir für zwei Wochen unsere Fahrten-VA festmachen können. Nach einigen Mails erhielten wir leider eine Absage, aber auch einen Tipp mal bei Sven Kielhorn (Steg N21) nachzufragen. Dieser hat uns dann auch gleich den Kontakt zum Kranmeister durchgegeben und so konnten wir doch noch zwei sonnige Wochen am, um und auf dem Steinhuder Meer verbringen. Unser Prinz Kuckuck (Einige von Euch werden ihn noch in lila kennen) wurde routiniert verpackt, auf den guten Trailer gekrant, unsere Fahrräder noch dazu, sowie das nötige Zeug für die zweite Woche Fahrtenurlaub (Pfanne, Kocher, Teller, Tassen und Sherry etc). Der Verbrennermotor wurde zu Hause gelassen und statt dessen der neu gekaufte Elektromotor samt großer Batterie mitgenommen. Nach fast fünf Stunden fahrt konnten wir endlich den Kranführer anrufen und ihm unsere baldige Ankunftszeit durchgeben. War die Strecke schon immer so lang? Karsten hat seinen Vater oft auf den Regatten begleitet und ich bin mehrmals nach Schneeren auf den Reiterhof gefahren. Wie doch die Zeit vergeht.

Unser Kranmeister (so hab ich ihn im Handy gespeichert) hat mich sehr an Knut erinnert. Mit seiner ruhigen Art „Auto noch etwas vor….Gurte weiter nach hinten….“ wurde unser Bötchen ins…..naja…..trübe blubbernde Wasser gekrant, das unser Prinz Kuckuck das letzte mal 1992 zur IDM berührt hat. Karsten erzählte mir später, das es wie durch Pudding fahren war und der kleine Elektromotor ordentlich quirlen musste. Ich hab das Auto mit Hänger zum Steg N21 gefahren um dann von Sven den Schlüssel für den Lagerplatz zu bekommen, wo unser Trailer dann zwei Wochen stehen bleiben durfte. Dann schnell zur FeWo um dort die Schlüssel entgegen zu nehmen. Nur kein Stress, wir haben doch Urlaub.

Die FeWo unter dem Dach von einem Familienhaus ist der Hammer. Geräumig, sinn- und geschmackvoll eingerichtet und vor allem Stehhöhe. Wenn ich jetzt zurück denke, erinnere ich mich an sehr viel Zeit auf der Dachterrasse. Frühstück und Abendessen, ein Glas Rotwein und Gespräche. In der Mittagshitze war es nicht auszuhalten, aber dafür war ja auch unser Boot am Steg da.

Der gute Vorsatz, eine Fahrradtour rund ums Steinhuder Meer haben wir noch vor der ganz grossen Hitze in zwei Stunden abgeradelt. Die Landschaft ist wunderschön und die Wege sind sehr gut ausgeschildert. Danach waren die Räder aber nur noch zum Brötchen holen im Einsatz.

Die erste Woche (es wäre die Meisterschaftswoche gewesen) hatten wir kaum Wind. In der zweiten dann um so mehr, vor allem Nachts, mit jeder Menge Klappermänner. Das Steinhuder Meer hat wenig Wasser, das hat uns jeder gesagt. Witzig waren die Informationen über unsere Fragen nach Untiefen. „Wenn ihr links aus dem Hafen fahrt, seht ihr zwei Sandbänke und wenn nicht, dann in den nächsten Wochen, wenn es so heiss bleibt.“ Wir haben dann nach der Farbe des Wassers vom Heck entschieden: grau= weiter fahren, schwarz= wende. Die Briefkasten-Boje gibt es übrigens wirklich. Unser erster Versuch, Post dort einzuwerfen, mussten wir abbrechen. Völlige Überschätzung von unserem gemütlichem Elektromotor, sind wir nach 45 min wieder Richtung Steg N21 umgedreht um noch bei Einbruch der Nacht im Hafen zu sein. Am nächsten Tag haben wir diese vor dem Garbsener Segelverein durch das Fernglas entdeckt. Mit Sonnensegel, Genua, einer angenehmen Briese Wind und jede Menge Schlamm unter dem Kiel haben wir die Postkarten mit einem gekonnten Aufschiesser zur Boje, dann abschicken können. Der Sonderstempel wurde tatsächlich auf alle Postkarten gesetzt.

Am letzten Tag hat Karsten doch noch unsere Spivorrichtung angebaut (ohne Bugkorb ist die Vorrichtung sehr wichtig) und konnten bei leichtem Wind das Revier ein letztes mal absegeln.

An das Aufladen denke ich nicht gern zurück. Nicht nur, das unser Urlaub zu Ende war……Wir haben über 15 min durch das Hafenbecken zum Kran gebraucht. Motor auf Stufe 5 und mit zwei Paddeln, ihr könnt euch das nicht vorstellen….schwarzes Nass ums ganze Boot und immer der Gedanke: nur gut festhalten, nur gut……und nicht reinfallen….

Die zwei Wochen waren Erholung, ohne grosse Ziele oder Pläne. Gern wäre ich mehr baden gewesen oder in einer kleinen Bucht vor Anker gegangen, aber probiert das mal auf einem runden und flachem See. (Schmunzel)

Bleibt alle Gesund und hoffentlich sehen wir uns 2021 wieder im Club und auf der Regattastrecke.
Eure Cordula (und Karsten)

Mit „Maria“ rund Usedom (15.-27. Juni 2016)

von Anne Voorhoeve

Mittwoch, der 15. Juni, 17:20 Uhr. Vor fünf Minuten kam mein Reisegefährte angehetzt. Bis zuletzt hat er es spannend gemacht, es liefen Wetten, ob er überhaupt auftauchen würde, und als Thorsten, Trommel, Micha Lorenz und „Paps“ Ketterling uns zum Abschied winken, können auch sie sich wahrscheinlich nicht mehr erinnern, wann aus dem winterlichen Running Gag „WDK segelt nach Bornholm (und nimmt Anne mit)“ Ernst wurde.

Schon ist der heimatliche Steg nicht mehr zu sehen. Wir sind unterwegs! Immerhin bleibt der Blick am Motorboot von Marion und Micha Dzembritzki hängen, wenn man sich umdreht. Sie werden uns bis Ueckermünde begleiten und von dort ins Usedomer Achterwasser weiterfahren. Wir rechnen mit drei Tagen. Es wird anders kommen. Aber unsere ersten beiden Tagesziele erreichen wir noch wie geplant: am Mittwochabend den Yachthafen LuBea am Lehnitzsee, wo wir uns telefonisch anmelden und am Steg schon freundlich erwartet werden, und am Donnerstag die Marina Oderberg. ((Foto 1))

Donnerstagmorgen hat beim Spiegeleierbrutzeln am Steg mein kleiner Gaskocher seinen ersten Einsatz. Um 10 Uhr legen wir ab – um keine Viertelstunde später auch schon wieder zu stehen. Erst kurz vor 12 kommen wir mit drei weiteren Sportbooten hinter einem Flusskreuzfahrer und einem historischen Holzschiff durch die Schleuse Lehnitz. Die Kanalfahrt wird WD indes bald langweilig, also darf ich über längere Strecken steuern, während er seinen Krimi liest. Mittags wärmen wir Kartoffelsuppe auf, es gibt Kaffee und Haferkekse, und die in Lehnitz verlorene Zeit holen wir am Schiffshebewerk wieder auf, wo wir ohne zu warten durchfahren können.

Nix geht mehr in Oderberg

Nach 10 Kilometern wunderschöner Oderbruch-Landschaft, die wir vier ganz allein genießen können, weil auf dem Wasser überhaupt nichts los ist, legen wir in Oderberg an. Die Männer sausen erstmal Richtung Bier, später nach einem schönen Restaurant-Abendessen zum Fußballgucken (Deutschland-Polen auf Zimmer 6). Marion und ich räumen unser jeweiliges kleines Zuhause auf und packen schon mal das Handgepäck für den Besuch der sanitären Anlagen. Mitte Juni ist es so hell, dass man um 22 Uhr noch einen Spaziergang über die Felder machen und sogar Feldlerchen hören kann.

Wenige Stunden später hören wir den vorhergesagten Regen nur so prasseln. Drinnen bleibt aber alles dicht, und der morgendliche Blick hinaus enthüllt, dass dank der Kuchenbude auch die Backbordseite der Plicht trocken ist. Leider stand meine Tasche mit Handtüchern und Kosmetik an Steuerbord … aber Duschen ist eh nicht nötig, der Sprint über den Steg zum Auflesen der bestellten Brötchen genügt, um pudelnass zu werden. M & M bleiben zum Waschen gleich an Bord, und beim Frühstück auf dem Motorboot trifft uns die Erkenntnis, dass wir nicht weiterkommen: Durch die verregneten, beschlagenen Fenster der Persenning von „Zwaartsluis“ ist nicht genug zu sehen.

Lagebesprechung auf der „Maria“: Nein, wir fahren nicht allein weiter, wir wollen auf jeden Fall zusammen mit M&M übers Haff. Ich telefoniere mit Horst und Heide, die mit ihren tapferen kleinen Bordhunden Arti und Paco soeben in Marienwerder abgelegt haben. Horsts Wetter-App verspricht für den Nachmittag besseres Wetter: „Wir sehen uns heute Abend in Schwedt!“ Nun, sehen können wir Horst tatsächlich, bis zur Nase in Ölzeug verpackt, als er ein paar Stunden später im Oderberger Hafenbecken eine Begrüßungsrunde für uns dreht, bevor er vergnügt weiterfährt. Ohne uns.

Unterwegs in Polen

Samstag, der 18. Juni, stand lange im Kalender als der Tag, an dem wir eigentlich zur Ostsee trailern wollten … beim Aufwachen muss ich unwillkürlich daran denken. Immer noch regnet es, aber schon deutlicher weniger, und jetzt hält uns wirklich nichts mehr in Oderberg. Bereits kurz nach 8 passieren wir die Schleuse Hohensaaten. Vor Freude gibt es während der Fahrt gleich zwei Mal Frühstück. Wegen des unberechenbaren Wetters befahren wir nun doch die West- statt der Ostoder, aber auch hier empfängt uns eine schöne, abwechslungsreiche Landschaft. Fischreiher, Rohrsänger, ein Seeadler und ein kleiner Fuchs, der am Flussufer trinkt, sind die einzigen Lebewesen, die uns begegnen. ((Foto 2))

Am späten Nachmittag erreichen wir die Marina Goclaw, wo nicht nur Ketterlings angelegt haben, sondern auch Marianne und Wolfgang Kaplick mit Jörg Hübner, die die Strecke nach Stettin in einem Rutsch gefahren sind. WD und Micha stellen unseren Mast, ich räume die Kajüte auf, nach wenigen Tagen schon Routine. Alles hat seinen Platz. Der arme WD findet nichts mehr an den Stellen, wo es jahrelang war, wo es seiner Meinung nach hingehört oder er es zumindest vermutet hätte. Aber der kurzsichtige Mensch, also ich, hat seine Bordeinrichtung gern übersichtlich (sorry, WD!).

Als nächste Etappe hat Horst uns Stepnica empfohlen und die Reise dorthin lässt sich perfekt an: Mit ca. 4 Knoten können wir fast durchgehend segeln. Mich erwartet zudem die freudige Überraschung, dass ich an die Pinne darf, während WD an der Vorschot rackert und sich gleichzeitig mit dem neuen Kartenplotter zu einigen versucht. Das Ding hat nämlich die seltsame Angewohnheit, sich in unregelmäßigen Abständen in den Standby zu verabschieden, worauf man jedes Mal wieder auf „Tour fortsetzen“ tippen muss. Wie im Winter, als wir auf der neuen Hifi-Anlage Brahms hören wollten, und genau wie damals schwant WD, dass das mit den Unterbrechungen irgendwie nicht stimmen kann.

Die Macken des Plotters stören seine Urlaubserholung aber zum Glück nur unwesentlich und am frühen Abend legen wir vergnügt im Kanal von Stepnica an. Vor uns die „Sueno“, hinter uns der gute „Zwaartsluis“ – Nordsterner, wohin das Auge blickt. ((Foto 3))

Getrübt wird die Freude allenfalls von den sanitären Anlagen. Es gibt zwar ein neues Gebäude mit sauberen Toiletten und Duschen; dieses ist allerdings abgeschlossen, wenn der unfreundliche Hafenmeister nicht am Platz ist, sodass zur Hauptwaschzeit frühmorgens und abends nur zwei wirklich schauerliche Container bleiben. Schade. Stepnica hat Charme und ist ein wunderschöner Anlegeplatz, aber der Stellenwert ordentlicher Waschräume ist hoch, wenn man auf einem Boot lebt. Auf dem Rückweg wollen wir andere Häfen ansteuern.

Boxenstopp in Ueckermünde

Unter Segeln erreichen wir am Montagabend die Lagunenstadt Ueckermünde. M & M sind bereits mehrere Stunden vor uns angekommen und haben die Schlüssel für die Ferienwohnung geholt, die wir für den Fall reserviert hatten, dass wir nach ein paar Tagen unterwegs erstmal eine Pause vom Wetter, vom Miteinander oder vom Bordleben allgemein brauchen. Nun packe ich nur ungern meine Siebensachen, um „Maria“ gegen irgendeine stinknormale Ferienwohnung zu tauschen. Es fühlt sich ein bisschen an wie Fahnenflucht.

WD gefällt die Wohnung auch nicht. Es gibt keinen Balkon und 30 Achtklässler feiern in unmittelbarer Nachbarschaft gerade Klassenfahrt! Während Marion schon duscht und ich abwasche, ist mein Reisegefährte plötzlich verschwunden – und kehrt mit neuen Schlüsseln zurück. Den Alleingang müssen wir erstmal diskutieren, außerdem haben wir die erste Wohnung doch schon benutzt!, aber das ist denn auch mein einziges Argument, bevor wir in die viel schönere, ruhige Wohnung mit Balkon und Hafenblick umziehen. Nach uns rückt die Putzkolonne an. Ich versuche nicht hinzusehen … Später geht es zum Abendessen mit Ketterlings, die ebenfalls in Ueckermünde festmachen. ((Foto 4))

Am nächsten Tag regnet es, Wind gibt es auch nicht, also mieten wir Fahrräder und erkunden den Ort. WD geht zum Friseur (drei Minuten) und es gibt Fußball in der Hafenkneipe. Unseren letzten Abend mit M&M lassen wir erst auf der Terrasse vor der Hafenmeisterei, dann auf dem Balkon bei einem Glas Wein ausklingen. Einige Lebensmittel werden vor dem Abschied noch aufgeteilt, darunter in Ueckermünde eingekaufte Wurst. Eine fatale Entscheidung. Aber dazu später …

Hightlight(s)

Dass es beim ersten gemeinsamen Fahrtensegeln nicht gleich Bornholm werden würde, war WD und mir bereits vor der Reise klar, aber die Ostsee sollte es schon sein – das Highlight, das quasi am Horizont blinkt, während du unterwegs bist. Schöner Quatsch. Das Highlight ist die Reise selbst, das langsame Unterwegs-Sein von Hafen zu Hafen, das Gefühl totaler Entschleunigung und die Freude darüber, dass das Miteinander an Bord sich als richtig schön herausstellt. Das Highlight ist die kleine, wunderbar gemütliche, leicht zu segelnde Maria mit ihrem 35 Jahre alten Motor, der nur so schnurrt. Der unglaubliche Sonnenuntergang in Rankwitz am Peenestrom, bei dem wir aus dem Staunen nicht herauskommen, als unmittelbar neben uns auch noch ein Seeadler Fische fängt. Morgens kommt Trommel zum Frühstück. Zum Glück haben wir noch Kaffee. ((Foto 5))

Ein definitives Highlight ist es, vor der Klappbrücke in Zecherin bei ziemlich viel Wind am Dalben zu hängen und zuzusehen, wie WD unseren Mast innerhalb von 50 Minuten legt und wieder stellt, damit wir lässig eine Stunde früher durchfahren können. Hut ab! (Der auf WDs Kopf mitgeführte Hut ist übrigens auch ein Highlight, ein echter Tilley.)

Ein weiteres Highlight ist die Marina Kröslin, eine wahre Bootsschau, für die du, wenn du einen Stegplatz reservieren willst, erstmal in der Warteschleife des „Kundencenters“ landest. Mit Musik! Die sanitären Anlagen sind vom Feinsten, aber Vorsicht: nicht zu spät essen gehen wollen! Nach 21 Uhr gibt es nur in der Tapas-Bar noch warme Küche. (Wir empfehlen wärmstens die gemischte Tapas-Platte für 2 Personen.)

Und am Morgen des 24. Juni ist es dann tatsächlich soweit: WDK segelt – nun ja, nicht nach Bornholm, aber immerhin auf der Ostsee! Das vorletzte noch fehlende Stück unserer Usedom-Umrundung. Der Tag x sozusagen.

Ehrlich gesagt, war es ziemlich enttäuschend. Ausgerechnet beim langen Schlag nach Swinemünde hatten wir nämlich keinen Wind, und den auch noch aus der falschen Richtung. Die Segel waren zwar gesetzt, aber ohne Motor wären wir mit höchstens 1,5 Knoten so gut wie nicht vorangekommen. Von der Küste Usedoms waren kaum Details zu erkennen; mit einiger Mühe machte ich in der Ferne etwas aus, das als die markante Strandtreppe der Reha-Klinik Ückeritz durchgehen könnte. Das ist alles, abgesehen von viel Sonne, die mir zum dritten Mal auf dieser Reise die Lippen verbrennt, weil ich es versäumt habe, mir einen Tilley-Hat für Damen zu besorgen.

Trotzdem kommen wir mit einem gewissen Hochgefühl in der Marina Swinemünde an. Die Ostsee ist geschafft! Bei unserer Ankunft wird gerade die Tribüne für ein großes Hafenfest aufgebaut, ein sehr angemessener Rahmen für unser eigenes Ereignis. Ein nettes kleines Restaurant namens Mila kenne ich auch, wo wir am Abend leckeren Fisch essen.

Um es kurz zu machen: Der Fisch war nicht schuld. Es kann nur die Wurst aus Ueckermünde gewesen, die WD sich zum Frühstück aufs Brötchen gelegt hat. Andererseits: Was kann die Wurst dafür, dass wir ohne Kühlmöglichkeit unterwegs sind? Was auch immer dafür verantwortlich ist, in Swinemünde nimmt unser Törn leider eine völlig andere Abzweigung als geplant. WD liegt mit verdorbenem Magen in der Koje, bei fast 35 Grad Außen- und Innentemperatur. Ich laufe in die Stadt, hole Zwieback und Tee und versuche meinen Einsatz als Krankenschwester leidlich zu bewältigen.

Erst am übernächsten Tag können wir weiterfahren und der Wind im Stettiner Haff entschädigt uns für die langweilige Ostsee-Strecke. 5-6 Windstärken und eine ordentliche Welle machen es erforderlich, dass der Kapitän selbst das Steuer übernimmt. Ich habe meine Seekrankheit-Armbändchen an, die letztes Jahr auf dem Ijsselmeer ihre Premiere hatten, und vermeide es tunlichst, in die Kajüte runterzuklettern. So kommen wir mit einer richtig heißen Segelpartie übers Haff und über den Dabie-See zur Marina Pogon in Stettin, und damit zur letzten Station unserer Usedom-Umrundung. ((Foto 6))

Ansonsten ist auf der Rückfahrt Ruhe angesagt: ich meist an der Pinne, WD lesend in der Koje. Zeit genug, die beiden Wochen Revue passieren zu lassen – und die anderen Segler, die uns auf der Oder entgegenkommen, zu beneiden. Ihr habt es gut, ihr dürft zur Ostsee! Wir fahren jetzt nur noch nach Hause, werden morgen das Boot ausräumen und ein paar Erinnerungen behalten, das war’s. Immerhin können wir neuerdings mitreden, wenn es am Stammtisch ums Fahrtensegeln geht.

Aber zwei Wochen sind einfach zu kurz.

Pippilotta (07.10.2011)

Fotogalerie

Törntagebuch – Ein verlängertes Wochenende auf dem Dreimastschoner „Pippilotta“ (28.-31.10.2010)

Von Andreas Steffenhagen

Vom 28. bis 31.10.2010 organisierte der Berliner Segler Verband einen Törn auf dem Dreimastschoner „Pippilota“. Eingeladen waren Jugendleiter, Trainer, Betreuer und alle die die Jugendarbeit in ihren Vereinen unterstützen. Der Törn sollte zum einen dem kennen lernen und zu anderen dem allgemeinem Erfahrungsaustausch dienen. Ingesamt haben 35 Kameraden aus allen Berliner Wettfahrtbezirken diese Möglichkeit genutzt. Ute und ich haben diese Möglichkeit ebenfalls gerne genutzt. Mit an Bord war mit Oliver Klempert auch ein Journalist, der für die „Yacht“ vom ersten Erfahrungsaustausch dieser Art berichten will.
Hier der Törnbericht:

Donnerstag – 28.10.2010 – Anreise
Am Donnerstag ging es in Fahrgemeinschaften von Berlin zum Hafen von Kappeln wo direkt an der Schleibrücke die „Pipilotta“ lag. Einige, die schon früher angekommen waren haben sich in einem Fischlokal getroffen und sich schon ein wenig näher kennen gelernt. Spät am Abend versammelten sich alle Teilnehmer zur Begrüßung durch Kapitän Hartwig Schröder und Frank Lüneberg (Jugendobmann des Berliner Segler Verbandes) im Salon der „Pippilotta“. Es schloss sich die erste Seminareinheit an bei der schon die ersten Diskussionen begannen und Frank die Teilnehmer bat, die Probleme in Ihrem Verein bei der Jugendarbeit einmal kurz beschreiben.
Freitag – 29.10.2010 – „Pippilotta“
Da die ersten schon früh wach waren, gab es schon um 7.30 Uhr Frühstück mit Brot. Leider kamen die Brötchen etwas später, aber so hatten wir für den Mittagslunch mehr übrig. Pünktlich um 9.30 Uhr legte die „Pippilotta“ mit samt Crew ab, um die Brücke rechtzeitig zu passieren. Durch die Schlei ging es dann in Richtung Norden zur Ostsee. Nach einer kurzen, aber äußerst amüsanten Einführung unseres Kapitäns Hartwig in die Sicherheitsregeln an Bord, setzten wir die Segel und wurden in die Gruppen für die diversen Segel, die Wache und sonstige an Bord notwendigen Arbeiten (Essen zubereiten, Klo putzen, Deck putzen, Messing polieren, …) eingeteilt. Gegen Mittag gab es dann den ersehnten Lunch mit belegten Brötchen und gemischten Salat als Kraftnahrung für Zwischendurch. Einige kletterten die Webeleinen zum Mast hinauf um die schöne Aussicht zu genießen und andere setzen sich zusammen und quatschten über Probleme, Ideen und Erfahrungen.
Am frühen Abend liefen wir im Hafen von Lyø ein. Wir hatten somit noch etwas Zeit die kleine Insel zu erkunden und das fehlende Salz für Spagetti Bolognese zu besorgen. Im gemütlichen Beisammensein konnte man nach dem Abendessen noch konstruktive Ideen in der Segler-Szene entwickeln.

Samstag – 30.10.2010 – „Pippilotta“
An diesem Morgen konnten wir etwas länger in den Kojen bleiben, da die „Pippilotta“ erst um 10.30 Uhr auslaufen sollte. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir einen kleinen Strandspaziergang, während andere sich im Ort umschauten. Nachdem alle wieder an Bord eingetrudelt waren, legten wir unter Segel ab. Wir nahmen Kurs auf Marstal. Bei guten 3 Windstärken und Sonnenschein segelten wir über die Ostsee. Gegen Mittag wurden super leckere Eierkuchen vorbereitet, die es zum Lunch geben sollte. Insgesamt standen die dafür eingeteilten Kameraden über eine Stunde am Herd bis alle hungrigen Mägen gefüllt waren (Beileid an die Abwaschgruppe).
Danach trafen sich die Unterhavelleute zu einer Besprechung während der Rest das Schiff sicher durch die ziemlich enge Fahrrinne manövrierte. Der Klüverbaum und das Netz darunter, sowie die Rah wurden zum Abschalten genutzt, am Ruder jedoch war immer noch höchste Konzentration gefordert. Gegen 18 Uhr liefen wir in Marstal ein. Hartwig erfreute uns mit einem kleinen Kulturrundgang durch das Örtchen. Anschließend gab es ein hervorragend zubereitetes Gyros mit Zaziki und Salat, das allen sehr gut schmeckte. Daraufhin erfolgte die Präsentation der gesammelten Ergebnisse, die sich bis in die späten Abendstunden zog. Doch dank der Zeitumstellung konnten wir ja eine Stunde länger schlafen.

Sonntag – 31.10.2010 – Rückfahrt
Der Sonntag begann wie die anderen Tage mit einem Frühstück im Salon. Es folgte die Verlesung des Zeitungsartikels von Oliver, der sich über großen Zuspruch freuen konnte. Anschließend war noch etwas Zeit für einen Landgang, bevor wir den Hafen verließen und uns auf den Weg zurück nach Kappeln machten. Es war leider sehr wenig Wind, weshalb wir den größten Teil der Strecke unter Maschine laufen mussten. Nur die letzten Seemeilen konnten wir noch einmal unter Segel zurücklegen.
Alle genossen den letzten Tag auf See, führten letzte Diskussionen und versprachen im nächsten Jahr wieder zu kommen. Nach einer letzten Mahlzeit auf dem Schiff liefen wir gegen 15 Uhr in Kappeln ein und verließen das Schiff mit einigen neuen Ideen und der Überzeugung, nicht das letzte Mal auf der Pippilotta gesegelt zu sein.

Mit sportlichen Grüßen

Andreas (Jugendleiter)

Ein Sommer in Südschweden (04.-18.07.2010)

Von Norbert Kruschel

4 :0 gegen Argentinien, wir sind begeistert. Weit und breit ist auf Christiansö kein Fernseher zu finden und so haben wir das WM – Spiel per Weltempfänger auf Deutschlandradio verfolgt. Die Schweden, die in dem vollgepackten Hafen mit ihrer Bavaria neben uns liegen, gratulieren. Dazu scheint die Sonne und der östlichste Hafen Dänemarks wirkt fast mediterran. Da wir unseren diesjährigen Urlaubstörn von Ückermünde starten konnten, waren die Erbseninseln nach drei Tagen erreicht. Nach einem weiteren Tag liegen wir in Utklippan und können die schwedische Gastlandsflagge setzen. Je weiter wir nach Norden kommen, desto länger bleibt es hell. Hier ist es eine halbe Stunde vor Mitternacht noch nicht dunkel. Von Utklippan segeln wir in den Kalmarsund und nehmen Kurs auf Grönhögen, einem idyllischen kleinen Hafen auf Öland. Dort tauschen wir schwedische Kronen ein und ergänzen unseren Proviant. Von hier aus sind es nur noch knapp 30 sm bis Kalmar, die wir unter Genua und Groß in flotter Fahrt zurücklegen. Im Hafen treffen wir Gabi und Gerd, die mit ihrer Olé zufällig am selben Tag hier eingelaufen sind.

Nach zwei Hafentagen und einem verlorenen WM-Halbfinale geht es wieder hinaus in den Kalmarsund. Uns locken die Blekinge-Schären, dafür wollen wir uns etwas Zeit nehmen. Bei 3 Windstärken aus SSW und strahlendem Sonnenschein kreuzen wir nach Bergkvara. In der Bäckerei erstehen wir leckere Vanillebullar und genießen am Abend ein Jazzkonzert, live mit Saxophon und Kontrabaß. Über Kristianopel segeln wir in das Binnenfahrwasser der Blekinge-Schären nach Torhamn. Jetzt ist es sehr heiß und der Wind verlässt uns. So erreichen wir unter Maschine Dragsö bei Karlskrona und besichtigen Stadt und Marinemuseum. Durch enge Schärengewässer teils segelnd und teils motorend erreichen wir Ekenäs. Von dort geht es weiter nach Tärnö, einer Felseninsel bei Karlshamn. Dort verbringen wir den Abend bei Rotwein und plaudern mit der Nachbarcrew über Gott und die Welt. Am nächsten Tag müssen wir den größten Teil der Strecke nach Karlshamn motoren. Dafür können wir Hanö mit halbem Wind bei 3-4 Bft. ansteuern. Am liebsten wären wir gleich über die gesamte Hanöbucht gesegelt, diese schöne Insel wollen wir aber nicht auslassen. Der Hafen ist sehr voll und wir entscheiden uns gegen Liegen im Dreierpäckchen und für die Variante Heckanker und Bug mit Leinen am Steg. Vom Inselberg genießen wir die wunderschöne Fernsicht über die gesamte Hanöbucht. Über Simrishamn geht’s nach Kaseberga. Hier ist besonders der äußerst freundliche und hilfsbereite Hafenmeister hervorzuheben. Natürlich besichtigen wir auch das Schiffsmonument und rätseln, wie die Wikinger die riesigen Steine an Ort und Stelle gebracht haben.

Unsere letzten schwedischen Kronen geben wir im Schiffsantiquitätenladen in Ystad aus, bevor wir uns auf den langen Schlag nach Rügen aufmachen. Unterwegs gibt unser Großsegel den Geist auf und wir setzen die Prioritäten bei den Weihnachtsgeschenken neu. Den wunderschönen Sonnenuntergang über dem Kap Arkona erleben wir vor Anker vor der Halbinsel Bug/Rügen. Von dort geht’s über Vitte, Stralsund, Lauterbach, Kröslin, Karnin wieder zurück nach Ueckermünde, dem Ausgangspunkt unserer Reise. Das Spiel der deutschen Mannschaft um Platz drei haben wir verpasst aber nach Schweden segeln wir nächstes Jahr wieder, vielleicht schaffen wir es ja nach Gotland.

Norbert Kruschel

Überführung der Hallberg-Rassy 29 von Willemstad nach Berlin (08.-15.10.2009)

Von Manfred Schröter

Eigner: Gregor
Mannschaft: Hans-Jürgen und Manfred

Start in Berlin am 7.10 2009, 22:00 Uhr mit Wohnmobil, Ankunft am Liegeplatz in Holland 8:00, Frühstück im Wohnmobil.

Nach Übernahmeformalitäten mit dem Verkäufer und Verstauen der umfangreichen, mitgeführten Ausrüstung und Verpflegung Fahrt über Hollands Diep zu einer Marina zum Mastlegen ( ca. 3 km ) Auf Empfehlung des Kranführers besteigt Gregor einen Arbeitskorb, wird in Höhe Masttop gehievt, um die Windmessanlage zu demontieren.
Es bestand das Risiko der Beschädigung durch die langen Gurte. Die Überraschung für den halbstündigen Einsatz: 140 Euro Gebühr. Auf diesen Schock nur schnell weg, dabei das Tanken vergessen. Haben aber 70 Liter in Kanistern, hätten uns wahrscheinlich nur noch mal gewundert.

Fahrt auf dem Waal ( Mündungsarm des Rhein ) gegen bis zu 5 km Strom, sehr starker Verkehr der Berufsschifffahrt. Vom Schiff der Reijkswaterstraat auf Rechtsfahrgebot hingewiesen worden, wobei uns die Frachter fast bis auf die Buhnen gedrängt haben, weil in den Flussbiegungen ganz außen gefahren wird. Liegeplätze und tanken kein Problem. Alle Schleusen mit Anmeldung über Funk oder Telefon. In Wesel wurde uns gesagt, es könne 2 Stunden dauern, wir bekämen über Lautsprecher die Info. Nach über 2 Stunden warten und telef. Nachfrage erfahren wir, schon vor einiger Zeit die Ansage erhalten zu haben. Bitten um Sprechprobe, die sehr leise vom gegenüberliegenden Ufer kommt. Haben wir unter Deck nicht gehört. Dürfen dann bei nächster Schleusung mit rein.

Vor uns zwei Frachter, für uns gerade noch Platz, Poller nur mit weitem Abstand, aber 4 mal Enden hochlegen bei 8 m Hub. Mastende dicht am Schleusentor. Hoffentlich gibt unser Vordermann nicht zu viel Power beim Rausfahren. Haben alles im Griff!

Das Boot hatte weder Namen noch Kennzeichen. Haben daher auf brauner Pappe Namen an die Reling und Hafen Berlin ans Heck gehängt, dabei aber die Holländische Flagge gefahren. Dampferlicht wegen gelegtem Mast nicht benutzbar. Funk wegen fehlendem Antennenanschluss auch nicht möglich. Ging gut bis hinter der Elbe, wo gegen 20 Uhr ein gegenkommendes Fahrzeug plötzlich nach backbord schwenkt und quer zur Fahrtrichtung den Weg sperrt. Plötzlich auch keine Positionslichter mehr zu erkennen, dann wird ein rotes, schwenkendes Licht sichtbar. Gregor haut in voller Drehzahl den Hebel auf Rückwärtsfahrt zum Stoppen, das Schiff rumpelt wie auf einen Stein aufgelaufen. Mit einer Taschenlampe wird an der Steuerbordseite die Reling von vorn nach hinten angestrahlt, sollen wohl längsseits kommen. Aha, ein Polizeiboot! In sächsischem Tonfall folgt die mündliche Aufforderung. Es gibt wohl immer noch Vopo’s. Das Polizeiboot steht mit dem Steven am Kanalufer auf Grund und wird mit der Schraube gegengedrückt. Wir hoffen wegen unseres Tiefgangs nicht längs gehen zu können, es klappt aber. Nun folgen die Belehrungen zum Dampferlicht, es verhandelt jetzt nur noch das zweite, nicht sächselnde Besatzungsmitglied. Die gefährliche Berufsschifffahrt würde uns so nicht erkennen können ( Polizei konnte es! ).Fehlende Papiere zur Kennzeichnung werden beanstandet. Nach unserer Erklärung der Überführung nach Kauf in Holland , wo es keine Kennzeichnungspflicht gibt, fordert er den Kaufvertrag, weil er meint, man hätte doch vor Überführung in Deutschland alles vorbereiten können. Der Vertrag datiert glücklicherweise mit dem Tag der Schiffsübername. Will er aber immer noch nicht anerkennen. Manfred erklärt ihm aus eigener Erfahrung bei der Umschreibung des Motorbootes, das zur Registrierung ein Kaufvertrag vorliegen muss. Nun fehlt ihm der rechtliche Hintergrund, neues Thema: so können Sie nicht weiterfahren. Ja sollen wir denn nun hier, wo kein zugelassener Liegeplatz ist, die Schifffahrt behindern? Jürgen war aber inzwischen schon tätig und zauberte mit einer an der Saling senkrecht befestigten Segellatte und einer LED-Stirnbandleuchte das Dampferlicht. „Na gut, wenn Sie nur noch bis zur nächsten Schleuse wollen(5 km), dann wollen wir mal ein Auge zu drücken, denn das ist kein attestiertes Licht. Aber eine gebührenpflichtige Verwarnung müssen wir aussprechen. Mit 25 Euro sind Sie dabei. Und fahren Sie ganz vorsichtig nur bis zur Schleuse (weiter wollten wir sowieso nicht, es war schon 20:30)“. Wir erreichen die Schleuse Wusterwitz, werden auch noch geschleust, und verholen an den Liegeplatz für Sportboote.

Resümee
Gregor hat uns mit Spezialitäten der polnischen Küche, vorbereitet von Alexandra, wie Bigosz und Krautgulasch ( Name fehlt mir ) mit Kartoffelpüree und Omas selbst eingelegten Gurken verwöhnt. Zum Frühstücksbüffet gab es auch selbst gesammelte und eingelegte Pilze im Rührei, war für uns aber gewöhnungsbedürftig. Rührei mit Zwiebeln und 12 Eiern sehr gut, aber nicht zu schaffen. Von den vorhandenen Vorräten hätten wir uns noch eine gute Woche ernähren können.
Pech war, das die Temperaturen nach dem dritten Tag in den Keller gingen, was uns am Dienstag morgen Eis auf dem Deck bescherte. Technisch funktionierte alles, ein Motorausfall auf dem Waal oder Rhein wäre sehr kritisch geworden.

Manfred Schröter

Abenteuer Mallorca (September 2009)

Von Michael Dzembritzki

Skipper Gerdi, Fränki mit Frau Karin, seine Tochter Vanessa mit Freundin Bianca und auch wir (Marion und Michael) haben uns Anfang des Jahres zum gemeinsamen Törn vor Mallorca verabredet. Fränki hat alles organisiert, d.h. Flüge gebucht, mit Gerdi das Schiff gechartert und wir mussten eigentlich nur noch raufsteigen und lossegeln. Klasse! … mit so`ner Experten-Crew, da läuft alles wie am Schnürchen,…dachte ich!

Leider gab’s bei mir schon die ersten Schwierigkeiten, denn entgegen meiner Planung konnte ich aus beruflichen Gründen nur 4 Tage (3 Nächte) dabei sein, hatte natürlich bei Fränki ´ne ganze Woche buchen lassen und musste alles wieder rückgängig machen. Vanessa und Bianca sind noch für uns eingesprungen.

Weiteres „Störfeuer“ gab es für uns, denn ausgerechnet an unserem Reisewochenende plante unsere Tochter Julia ihren Umzug. Also mein schlechtes Gewissen beruhigend versprach ich meiner Tochter „… naja, vielleicht kann ich Dir ja noch am Donnerstag und Freitagabend helfen, bevor wir nach Palma fliegen“ ….. die Chance wollte ich natürlich nutzen, schließlich ziehen die eigenen Kinder nur einmal aus dem Elternhaus – wenn alles gut geht! … dachte ich.

Meine Mitsegler hatten allerdings am Freitagabend die Gepäckaufgabe am Flughafen Tegel geplant, Treffen war um 21.00 Uhr am Air-Berlin-Schalter. Das brachte mein Umzugsengagement etwas durcheinander und in der Not wird man erfinderisch. Also kam mir der Gedanke, daß meine Freunde doch helfen könnten, nach der Gepäckaufgabe kurzerhand die Möbel in den 3. Stock hochzutragen. Diese Idee hatte Charme … allerdings hielt sich die Woge der Begeisterung bei meinen Mitseglern in Grenzen, zumal man(n) doch um diese Uhrzeit eher gewohnt ist, sich den Bierschaum von den Lippen zu lecken. Nun ja, Fränki, Karin und Gerdi signalisierten ihre Bereitschaft!

Fränki war am Flughafen schon in Urlaubslaune, kam am Air-Berlin-Schalter mit seinen schicksten, karierten, kurzen Hosen anstolziert (sah aus, als wenn er zum Golf-Turnier gemeldet wäre). Skipper Gerdi checkte natürlich als erster ein und widmete knapp über den Schaltertisch schauend seinen liebenswertesten Hush-Puppie-Blick der attraktiven Boden-Stewardess, welche erwiderte: „24 kg Gepäck pro Person sind kostenfrei“. Gerdi atmete erleichtert auf mit einem „ …na prima!“, worauf Sie mit freundlichem Augenaufschlag antwortete:“ … Sie haben aber 26 kg!“ Die sich anschließende Diskussion, ob nicht 26 kg eigentlich auch als 24 kg durchgehen könnten, endete nach einigen Minuten (die sich bildende Schlange hinter uns stand schon den Terminal C entlang fast bis zum Parkplatz!) schließlich mit dem Hinweis „ ….im Übrigen fliegen Sie mit der Parallelmaschine!“… „wie, mit der Parallelmaschine? Wann ist denn Start?“ …. „Na um 6.00 Uhr MEZ !“ „Fränki, hast Du etwa um 6.00 Uhr den Flug gebucht ? … und denn soll ick noch für 26 kg bezahlen? … und warum muss ick mit der Parallelmaschine fliegen?“ die Stewardess blieb cool „ … die erste Maschine ist schon überbucht und somit mussten wir eine zweite Maschine einplanen, beide Maschinen fliegen um 6.00 Uhr!“
Boh eh, dachte ich, den sind wir los, den sehn wir morgen erst in Palma wieder!

Gerdi blickte ungläubig auf sein Ticket …. legte seine Stirn in Falten und fragte: „Fränki, wat isn eijentlich mit meim Rückflug?“ …. Fränki: „wieso?, ick sollte doch für dich nur den Hinflug buchen!“ Gerdi: „Ja aber, wie komm ick denn nach Hause?“, Fränki: „Na, du segelst doch noch zwei Wochen länger, du hast doch bestimmt mit der anderen Crew deinen Rückflug gebucht!“, Gerdi: „ Meinste wirklich?“ … usw, usw., also schon alleine die erste halbe Stunde am Flughafen war vergnügungssteuerpflichtig, allerdings teilten die hinter uns anstehenden Menschen nicht unsere Freude, das zeigte ihr „genervter Gesichtsausdruck“.

Unser Gepäck war nun aufgegeben und Gerdi stellte die Frage: „Sag mal, Fränki, wie kommst Du eijentlich zum Flughafen morjen früh?“ ….Fränki: „Na mit ’ner Taxe!“ …Gerdi: „ Na prima, die fährt doch über die Scharnweber, da kannste mich ja abholen, oder?“.

Gesagt, getan, 5.10 Uhr wurde sich verabredet, es war jetzt alles geklärt. Nun noch schnell in die Müllerstr. gefahren, die Möbel in den 3. Stock hochgetragen und jeder ging seines schicksalhaften Weges.

Nächsten Morgen waren wir schon etwas knapp dran und hechelten zum Flughafen, in der Wartehalle war jedoch keiner der Segelkameraden zu sehen, das machte mich stutzig! … Fränki ist eigentlich immer pünktlich.
Also nutzte ich die Zeit und ging zum Geldautomaten, um noch etwas Reisegeld abzuheben. Gerade meine Karte reingesteckt, die PIN-Nr. gedrückt, den Betrag eingegeben, da klingelte mein Handy. Es war Gerdi „Wo bist’n Du?“ Ich sage: „Na am Flughafen, wo sonst? Du solltest besser auch hier sein!“ …. „Na ick steh hier und warte noch auf Fränki, aber der hat verschlafen. Ick habe gerade bei ihm anjerufen, er schafft´s nich mehr!“ …. Ich dachte, ich hör´nicht richtig. „Sag mal willst Du mich verscheißern?“ …. „Na, mit der nächsten Taxe, die vorbei fährt, komm ick jetzt zum Flughafen !“

Ich sah ganz verdattert auf meinen Geldautomaten, währenddessen der meine EC-Karte genüsslich hin- und herrollte und gerade als ich zugreifen wollte, schluckte der Automat nach dem dritten mal Hin- und Herrollen meine Karte und verschlang diese mit dem Kommentar: „Transaktion wurde aus Sicherheitsgründen abgebrochen, Ihre EC-Karte erhalten Sie bei ihrer Hausbank!!!“

Kein Geld und Karte weg!! …Super, Morgenstund´ hat Gold im Mund! Das hatte ich mir etwas anders vorgestellt.
Marion saß noch schlaftrunken auf der Bank und hatte noch keine Ahnung, jetzt musste ihre EC-Karte ran, Zeit zum Diskutieren gab´s nicht mehr und dann ging´s schon zum Anstellen ins Flugzeug. Gerdi war immer noch nicht da, aber nach telefonischer Auskunft kurz vorm Flughafengebäude!

Bevor wir dran waren fiel Marion auf, dass wir zwar nach Palma anstanden, aber die Flugnummer unserer Warteschlange nicht mit unserem Ticket übereinstimmte! Nun war klar, wir standen am Gate des Parallelfluges !
Also jetzt schnell geguckt zum Nachbargate, die Fluggäste der anderen Palma-Maschine waren natürlich schon alle „weggeboarded“, wir waren die Letzten! Schließlich hatten wir es geschafft! … und ich konnte sogar dem freundlichen Boden-Steward beim „Boarden“ noch den Hinweis geben : „Da müsste gleich noch einer kommen!“

Wir saßen gerade im Flugzeug, ich hatte völlig vergessen, dass Gerdi ja mit dem anderen Flugzeug fliegen musste, da kam der nette Steward vom Bodenpersonal extra in die Maschine, er war wirklich sehr nett, und fragte mich: „ wann kommt denn nun eigentlich Familie Peters?“ … „Familie Peters?? …äh, na die kommen gar nicht, die haben doch verschlafen!“ …wer noch keinen verdutzten Blick eines Stewards gesehen hat, der sollte mich mal fragen! …. Wenige Minuten später meldete sich der Flugkapitän und kündigte ca. eine halbe Stunde Startverschiebung an. Fluggäste, deren Gepäck schon im Flugzeug verstaut worden war, könnten leider nicht den Flug antreten und nun müsse man erstmal wieder das ganze Gepäck aus der Maschine nehmen und die Gepäckstücke aussortieren. Bitte haben Sie noch etwas Geduld!, … ein Raunen ging durch das ganze Flugzeug, zum Glück waren die Sitzlehnen so hoch, dass ich mich gut verstecken konnte und tarnte mich schnell hinter meiner Tageszeitung.

6.35 Uhr ging´s dann endlich los, Marion und ich genossen bei bestem Wetter die erste Etappe dieses erlebnisreichen Morgens.

Gegen 10.00 Uhr landeten wir in Palma.
Kaum hatten wir Palma-Boden unter den Füßen, kam Marion’s erster „ich muß mal“-Wunsch, den der Flughafen „Palma“ ihr augenblicklich nicht erfüllen konnte auf dem langen Gang zur Gepäckausgabe. Ich hatte mich schon gewundert, weil normalerweise, wenn wir mit dem Auto reisen, dieser Wunsch meistens nach der ersten halben Stunde kommt. Marion hatte diesen Reflex scheinbar für Palma-Airport aufgespart. Ist wahrscheinlich auch in dem Touristengewusel viel interessanter sich an der Damentoilette anzustellen und den Fremdsprachen zu lauschen. Wann hat Marion schon mal die Gelegenheit in einer international besetzten Schlange anzustehen!

Auf das Gepäck wartend, (Gerdi mußte mit der Parallelmaschine schon da sein, weil die nämlich keine Gepäckprobleme hatten!!), rief ich ihn an: „ Na, wir sind jetzt am Gepäckband 45 wo bist´n Du jetzt?“… „ Icke?… na, ick bin noch in Berlin!,… zu Hause!“ … „wieso, ich denke Du warst schon am Flughafen Tegel?“ … „ Ja, aber ick hab´s nich mehr jeschafft und bin denn wieder nach Hause“. … „Du spinnst, oder?, ich dachte Du fliegst dann mit Fränki in der 9.00 Uhr Maschine, warum bist Du denn wieder nach Hause?“ usw., usw., na ja, wir haben das Telefonat beendet, es war aussichtslos, mein Expertenteam hatte sich scheinbar innerhalb weniger Stunden aufgelöst und ich machte mir mit Marion schon Gedanken, wie wir unseren ersten Tag auf Palma ohne diese „Pachulken-Crew“ geniessen können. Ich sagte noch zu Marion: „ … vielleicht steht er ja schon irgendwo und beobachtet uns, hat sich wahrscheinlich schon vor Schabernacksfreude seine Schenkel ganz wund geschlagen, DER ist zu allem fähig!“

Nach langem Warten kam unser Gepäck und eine Stimme aus dem Hintergrund fragte: „ Na, warum kommt ihr´n jetzt erst?“… es war, wie nicht anders zu erwarten,…unser Gerdi !! … ich kann gar nicht mehr sagen, was überwog, …. Wiedersehensfreude oder Würgegelüste, wahrscheinlich Letzteres!

Marions Blase stand inzwischen kurz vorm Zerbersten, Gerdi hatte Kaffeedurst und so zogen wir mit unserem Gepäck ins nahe gelegene Flughafenkaffee und tauschten unsere morgendlichen Erlebnisse aus.
Derweil Marion ihre Blase entspannte, bestellte Gerdi an der Bar im perfekten Spanisch 3 Kaffee bei der schwarzhaarigen Bedienung, währenddessen ich den Tisch freihielt. Es dauerte ein Weilchen und wir erzählten uns schon die ersten Anekdoten des frühen Morgen. Der Kaffee ließ noch auf sich warten, etwas zu lange. Gerdi nutzte deshalb die Chance seine Bestellung nochmals bei der rothaarigen Bedienung zu wiederholen.

Na, ja, wie schon zu erwarten war, mussten wir dann 6 mallorquinische Milchkaffee trinken, die Gerdi zahlte. Danach ging’s zum Bus.

Für 2,50 € fuhr der uns quer durch Palma bis zum Hafen.
Im Bus fragte ich mal (nach einigen Haltestellen) vorsichtig unseren Skipper, ob er denn wüsste, wo wir aussteigen müssen, darauf Gerdi: „ weeß ick och nich, wir starten ja von `nem anderen Hafen als sonst, aber in der Beschreibung vom Vercharterer müssen wa an der Haltestelle 9 aussteigen, dann über die Strasse und dann sind´s nur noch 150 m., … übrigens musst Du dann meine Tasche tragen helfen, weil die is mir zu schwer!“…

Eigentlich wollte ich noch fragen ob er die Stationen mitgezählt hätte, aber wir hatten ja schon einige hinter uns, an einigen hatte der Busfahrer nicht angehalten und eigentlich wussten wir nur, dass wir irgendwo in Palma sind, aber nicht wo! Ich verkniff´s mir,…die Antwort konnte ich mir selber geben.

Nun ja, das Meer ist groß genug, übersehen werden wir es schon nicht, allerdings gibt es eine Marina nach der anderen und somit natürlich auch jede Menge Haltestellen zum Aussteigen. Da bei uns aber alles immer generalstabsmäßig klappt, machte ich mir keine Sorgen.

Unserem Seglerinstinkt folgend stiegen wir nach Bauchgefühl aus, überquerten die Strasse und nun stellte sich die Frage in welche Richtung laufen wir jetzt 150 m? In Anbetracht der schweren Skipper-Tasche (natürlich ohne Rollen, Gepäck für 3 Wochen mit Laptop, GPS-Gedöns und nautischem Besteck) war das schon eine reifliche Überlegung wert. Nach 150 m mussten wir leider feststellen, dass uns der Seglerinstinkt wohl verlassen hatte, der Hafen war nicht richtig! Also wieder 150 m zurück und noch mal 150 m in die andere Richtung. Zum Glück hatten wir 30 Grad und pralle Sonne, also frieren musste keiner!
…. und diesmal waren wir am richtigen Hafen, wer hätte das gedacht, aber das ist eben generalstabsmäßige Vorbereitung und Planung!

Unser Schiff war noch nicht übergabebereit, die Putzkolonne war noch in voller Aktion. Wir ließen unser Gepäck auf dem Steg und schlenderten gemütlich die Promenade an der Bucht von Palma runter, gönnten uns in einem netten Kaffee unterm Sonnenschirm eine Portion Tapas.
Fränki saß inzwischen im Flugzeug, seine Ankunft erwarteten wir etwa gegen 13 Uhr. Wir hatten also noch Zeit und genossen den späten Vormittag.

Um 13.00 Uhr war es dann so weit, alle waren angekommen und die Erlebnisse wurden ausgetauscht.
Fränki und Karin hatten die 9.00 Uhr Maschine buchen können, natürlich zum vollen Preis für Kurzentschlossene! Sie waren auch pünktlich am Flughafen, wurden gleich freundlich von Air Berlin empfangen, Reisende mit VIP-Status werden da persönlich begrüßt. Der morgendlich verursachte Mehraufwand wurde dezent am Rande nur erwähnt, schließlich freut man sich ja über Gäste, die das Sonderangebot „zwei Flüge zahlen und nur einen Fliegen“ nutzen !

Doch selbst als VIP sollte Fränki sich noch ausweisen, was ihn dann doch sehr überraschte! Ein Griff in die Hosentasche ließ die gerade wieder aufkeimende Reisestimmung schlagartig schwinden, die Tasche war leer.

Hatte er doch gar nicht mehr die kurzen Hosen von gestern an … wo der Ausweis drin steckte. Nun aber rasant zum Taxi-Stand, schnell eine Fahrt nach Schulzendorf und zurück, des Taxi-Fahrers Schaden sollte es nicht sein, was kostet die Welt!

Ab 14.00 Uhr konnten wir dann unser Boot entern, eine Bavaria 44 mit ausreichend Platz und sehr guter Raumaufteilung.

Dann ging`s ab in den Supermarkt, 4 große Einkaufswagen Proviant wurden gebunkert, während Gerdi das Schiff mit seinem nautischen Krimskram (Laptop, Plotter, usw.) verdrahtet hat.
Am Spätnachmittag liefen wir aus zu einer kleinen Probefahrt, selbstverständlich nach einer intensiven Sicherheitsunterweisung unseres Skippers.

Es wurde alles ausprobiert, Motor, Segel und natürlich auch die Badeleiter, denn alle hatten sich schon auf den ersten Badespaß gefreut (geschätzte Wassertemperatur 24 Grad !).

Am Abend gab es ein fürstliches Essen, natürlich selbst gekocht aus der Bordküche ansatzlos mündend in einem Trinkgelage mit anschließendem Tiefschlaf.

Am nächsten Morgen, nach intensivem Frühstück, starteten wir Richtung Caprera, …. und man sollte es nicht glauben, … die nächsten Tage liefen wie geplant!

Blauer Himmel, Sonnenschein, 3 Windstärken, kristallklares Badewasser und harmonische Stimmung an Bord.

Es hat uns sehr viel Spaß gemacht. Ich bin gespannt auf unser nächstes Segel-Event ….

Michael Dzembritzki

Wechselhaftes auf der Ostsee (Juli 2009)

Törnbericht der „Lucky Star“ mit Skipper Olaf Germelmann

Liebe Kameraden. Ich war mit zwei verschiedenen Crews auf der Ostsee unterwegs. Bei der ersten Etappe waren die Kameraden Mario Rothermund, Peter Kaiser und mein Kumpel Bernhard Zerbst dabei. Nach zwei Wochen gingen die Jungs von Bord und Anika stieg zu. Wir kamen insgesamt von Berlin über Stettin, Swinemünde, Sassnitz, Klintholm, Gedser, Burgstaaken, Laboe nach Großenbrode. Dort erfolgte der Wechsel und Anika und ich segelten nach Grömitz und Travemünde, machten dort eine knappe Woche Strandurlaub und kamen über die Kanäle von Lübeck über Lauenburg, Wolfsburg, Brandenburg nach Berlin zurück. Das waren rund 680sm, davon etwa 300 unter Segeln und 300 auf dem Kanal.

Es wechselte nicht nur die Crew
Ein Wechsel von Glück und Laune. Wir waren anfangs erheblich vom Pech verfolgt: Nachdem wir ohne Probleme nach Stettin motort waren ging es unter Segeln weiter nach Ziegenort. Dabei mussten wir lernen, dass es neben der Tonne 44 im Fahrwasser flacher als 1,30m ist, und zwar etwa im Abstand von 5m. Wir sind also mächtig aufgelaufen, aber mit dem Schrecken und viel Dieselqualm davongekommen.

Böser wurde es am selben Nachmittag, als der Diesel zu stottern begann und ausging. Und dass leider mitten auf dem Haff bei aufziehenden Schauerböen, beim Segelwechsel und ordentlicher Welle! Wir sind dann unter Segeln nach Ziegenort abgelaufen und nach kurzem Ankern unter Segeln und mit dem Hilfsmotor sicher in den Hafen gekommen. Wir waren heilfroh, dass wir vor der Reise doch noch eine Halterung gebaut hatten, mit der man den Außenborder auch auf See ins Wasser lassen kann. Sonst hätten wir unter Segeln durch die messerscharfen Moorings von Ziegenort gemusst.

Im Hafen fiel zu allem Überfluss noch kurzzeitig die Elektrik aus. Die Stimmung war im Keller. Dann hatte nach längerem Grübeln Kamerad Kaiser die rettende Idee: Wir bliesen mit einer Luftpumpe von unten durch die Kraftstoffleitung in den Tank und bekamen sie so frei. Der Diesel hatte nämlich schöne schwarze Fadenalgen gebildet, die den Tank total dicht machten. Aber dann lief die Maschine wieder. Eine halbe Stunde ohne zu mucken. Also ab aufs Haff am nächsten Tag. (Wenn jemand wissen möchte wo die Algen herkommen und was man dagegen macht, fragt mich, jetzt weiß ich es und bin bereit das Geheimnis weiterzugeben …)

Aber was im Hafen lief, ging nach einiger Zeit in der Welle wieder aus. Zum Glück nachdem wir aus dem schmalen Fahrwasser schon raus waren. Da half nichts mehr. Noch ein mal zurück, und zwar nach Stettin, um Ersatzteile zu kriegen und notfalls wieder nach Berlin zu fahren, denn ohne Welle ging’s ja und einen Hilfsmotor hatten wir notfalls auch. Das wahnsinnigste an dieser Reise war eigentlich unser Entschluss Ersatzteile in Berlin zu kaufen. Man kommt in drei Stunden und 30 Euro hin. Also sind Mario und Berni morgens hin, haben AWN und Auto-Tipp leergekauft und brachten uns abends einen Ersatztank und eine neue Batterie, denn die war auch hin, zum Boot. Vielen Dank noch einmal an Anika und Familie Rothermund für die Hilfe in Berlin.

Luft-Rettung in letzter Minute
An dieser Stelle möchten wir noch einmal Kamerad Nehrlich danken: Wir hatten den neuen Tank gerade eingebaut, da beschlichen mich Zweifel, wie man den denn entlüften sollte. Das ginge ja gar nicht, bauartbedingt. Also alles umsonst und totale Niedergeschlagenheit bei der Crew. Aber da lief durch Zufall Dieter ein. Das war unsere Rettung, denn er konnte uns überzeugen, dass wir den Diesel eigentlich nur noch anzuwerfen brauchten – und dann lief er.
Der Törn war gerettet!
(Und was hätten wir uns ein den Allerwertesten gebissen, wenn wir abgebrochen hätten obwohl wir so kurz davor waren …)

Ab da lief es glatt. Jedenfalls größtenteils
Beim Segeln hatten wir viele schöne Etmale mit raumem Wind, so dass wir sehr viel Spi segeln konnten. Auch die Selbststeueranlage (Typ Windpilot) hat sich mal wieder gelohnt. Sie arbeitete zuverlässig auch vor dem Wind, wenn wir Schmetterling fuhren. Die Männercrew war jetzt richtig segelwütig und sprang sofort aufs Vorschiff, wenn ein Segelwechsel geringe Chancen auf mehr Speed versprach. Wir waren stolz wie Bolle als wir unter Spi unseren Rekord von 8,5kn im Durchschnitt aufstellten (so schnell war dieses Schiff noch nie!) und viel modernere und größere Yachten versägten. Wir haben viel gelernt, leider auch, wie man den Spi verknotet und zum Glück auch, wie man den Knoten wieder rauskriegt, ohne den Spi zu verlieren. Es blieb halt wechselhaft.

Wir ritten also wie die Wilden nach Westen
Wollte der Wind denn gar nicht mehr drehen? In der Kieler Bucht begrub ich vorsichtshalber den Plan, in die Schlei zu fahren, um noch rechtzeitig zurück zu kommen. Also Laboe. Dort einen Tag gewartet und von da gegenan zurück nach Großenbrode, denn der Westwind kam nun doch und war schon in der Nordsee. Leider bedenklich viel davon. Deswegen auch die Entscheidung nicht nach Stettin zurück zu fahren, sondern „nur“ Richtung Lübeck.

Crew-Wechsel
Stettin adé – „Plan B“ wie Badeurlaub. Das kam auch der neuen Crew Anika sehr gelegen, die bekennende Dauerbaderin ist und sich Strandurlaub wünschte. Darauf musste sie aber noch ein wenig warten, denn der Wind drehte jetzt auf Südwest und frischte von Tag zu Tag mehr auf. Als wir schließlich sicher im Passathafen lagen, pfiff es tagelang wirklich bedenklich und wir waren froh, nicht raus zu müssen. Leider konnten wir aber nicht nur urlauben. Ich musste auch mal zum Zahnarzt, weil mir ein Stück Zahn weggebrochen war.

In Lübeck konnten wir die Leihrettungsinsel bei AWN zurückgeben, was mächtig Geld gespart hat. Wir haben das schwere Ding auf einem Handwagen hinter dem Fahrrad hergezogen. Billiger als ein Taxi, aber das mache ich nie wieder, denn es war auch echt schweißtreibend.

»Canale Grande« oder: Langeweile mit Schleusenstress
Der Rückweg über den Elbe-Lübeck Kanal war schön wie immer. Das kurze Stück Elbe danach hatte es allerdings in sich: Es stand ein stürmischer NW-Wind gegen die Strömung. Alle Motorboote, die mit uns geschleust hatten, kehrten sofort um, denn man musste richtig gegen die Welle anstampfen. Der Elbe Seitenkanal war langweilig wie immer. Der Mittellandkanal hässlich wie immer. Also nichts weiter der Rede wert, außer der Hektik an den Schleusen und dem Hebewerk, die sich wohl nie legen wird, solange die Schleusenwärter immer neue Überraschungen parat haben (wie z.B. einen erst an den hintersten Futzel Kaimauer komplimentieren, an der man die Ansage nicht verstehen kann, so dass einer neben dem Lautsprecher Wache halten muss, und dann mächtig drängeln, dass man endlich einfahren soll, obwohl ein Crewmitglied einen rasanten Spurt zum Boot hingelegt hatte und ein anderes währenddessen schon quasi ablegte und wir mit vollem Hafer auf die Schleuse zu hielten. Anm. von Anika.)

Eine löbliche Ausnahme ist die Schleuse hinter Magdeburg und der Kanalbrücke. Hier bekamen wir durchgegeben wann wir dran sind, auf welche Seite wir fahren sollen und sogar, welchen Schwimmpoller für uns ist. Warum nicht immer so?
Positiv auch Schleuse Brandenburg. Nach einer präzisen Durchsage „wann-wo-was“ hielt der Wärter ein Schwätzchen mit uns in der Schleusenkammer und wir bekamen eine Horrorstory nach der anderen von Charterbooten mit Skipern ohne Führerschein erzählt. Es soll sogar eine Fotosammlung geben – gut, dass wir hier allein waren.

Zwei Häfen und das Finale
Wittingen und Genthin. Potsdam und Berlin. Was andere auch interessieren könnte ist, dass der kleine Hafen Wittingen auf dem ESK, der normaler Weise 1,50m tief ist, diesmal für uns zu flach. Wir standen die halbe Nacht auf Lehm. Abhilfe brachte da ein mächtiges Gewitter mit viel Regen. Es hat aber auch so geweht, dass wir sehr froh waren, eine lange, lange Spring quer über die Hafenecke gespannt zu haben. Sonst hätte die Spundwand uns wohl zerbröselt.

Außerdem möchten wir noch eine Empfehlung für den kleinen Sportboothafen Genthin am Elbe-Havel-Kanal loswerden. Wer sich hier reingefädelt hat, findet einen sehr netten Hafenmeister und ideale Versorgungsmöglichkeiten genau neben dem Hafen: Tankstelle, mehrere Supermärkte, einen leckeren Chinesen.

Hinter Brandenburg haben wir uns noch einen Ankertag in einer netten Bucht der unteren Havel geleistet. Dafür haben wir Konzertkarten verfallen lassen, die in Berlin auf uns warteten. Das würden wir auch immer wieder machen, denn es war ein wirklich schöner Abschluss.

Mast und Schotbruch Euch allen,
Euer Olaf.

Mit Goodewind nach Dänemark (Juli 2009)

Von Norbert Kruschel

Eine Radtour durch Masuren sollte es in diesem Jahr werden. Unsere Aquarius hatten wir im April verkauft. Wir rechneten wir nicht damit, gleich wieder ein neues Schiff zu finden, dass zu uns passt. Dann geht alles ganz schnell und im Mai schaukelt eine HR 29 am Nordsternsteg. Die liebste Mitseglerin hat ihre Prinzessinnensuite im Vorschiff, gegen Schnarchgeräusche aus der Salonkoje schützen zwei Türen und durch die Vorschiffsluke kann sie vor dem Einschlafen die Sterne sehen. Die Segeleigenschaften sind bekannt gut und der Anblick gefällt uns. Vor dem Mast stellen bzw. legen habe wir zunächst Respekt, mit Hilfe von erfahrenen Clubkameraden klappt aber prima und geht einfacher als gedacht (Danke Wolfgang und Hans-Jürgen).

Nur wenige Tage später wühlen wir uns mit Dieselpower durch steile hohe Wellen vor Hohe Düne/Warnemünde. Der Bug setzt weich in die See ein, so sind die Wellen nicht bedrohlich. Schnell sind die Segel oben und wir rauschen mit 6 Knoten über die Lübecker Bucht. Wir denken an die ersten zehn Tage unseres Urlaubs, bisher hat es uns am besten in Greifswald gefallen. Die Hafenatmosphäre der Studentenstadt konnten wir bei Latte Macciato und strahlendem Sonnenschein genießen. In Lassan hätten wir uns die Festmacher fast sparen können. Trotz der in der Karte angegebenen zwei Meter ziehen wir beim Anlegen eine Furche durch den Hafenschlick.

Mit 5 Beaufort aus Nordost ist Fehmarn schnell erreicht. Dort wollen wir nicht lange bleiben, ein paar Seemeilen weiter westlich lockt die Kieler Woche. Leider können wir die Windjammerparade nicht vom eigenen Schiff aus zu betrachten. Petrus will es anders und wir wehen in Burgtiefe ein. Zur Kieler Woche fahren wir trotzdem, aber leider mit dem Mietwagen.

Zum Glück entscheiden wir uns, nach Dänemark zu segeln. Bei der Überfahrt nach Nystedt kommen wir an einem riesigen Offshorewindpark vorbei. Die Windräder sind viele Seemeilen weit zu sehen. Der Anblick ist beeindruckend und wir diskutieren lange über CO 2 neutrale Energieversorgung.

Im Guldborgsund laufen wir auf eine Bavaria auf. Die beginnt sofort anzuluven. In Lee kommen wir nicht vorbei. Auf die freundliche Frage, ob ich jetzt reffen soll, fällt der Skipper ab und lässt uns in Luv vorbei. In Guldborg kommen wir mit ortsansässigen Segler ins Gespräch. Beim Bier genießen wir den Sonnenuntergang plaudern über Gott und die Welt und erhalten dabei interessante Reviertipps. Auch in Stege, unserem nächsten Hafen kommen wir mit den Stegnachbarn ins Gespräch. Ulrike und Ralf sind für drei Jahre ausgestiegen und mit ihrer Aglaia, einem 31 Fuß langen Langkieler unterwegs. Im September gehen die drei Jahre Auszeit zu Ende. Wir bewundern die mutige Entscheidung, alles hinter sich zu lassen und einfach loszusegeln.
Die Umrundung von Mön, leider bei fast Flaute, bietet bei strahlendem Sonnenschein herrliche Ausblicke auf die Kreidefelsen. Inzwischen haben wir richtiges Badewetter und ich nutze den Stopp in Klintholm, um vor einem herrlichen Sandstrand in der Ostsee zu schwimmen. Das Badewetter hält auch bei der Überfahrt nach Lohme an, der Wind streikt weiter und unser Diesel muss wieder ran. Für die Motorstunden entschädigt uns ein traumhafter Sonnenuntergang über dem Kap Arkona.

Nach einem Zwischenstopp in Kröslin verbringen wir eine Nacht vor Anker vor der Zecheriner Brücke, freuen uns, dass keiner was von uns will und genießen die Ruhe und die Natur. Für den nächsten Urlaub nehmen wir uns vor, nachts öfter mal zu ankern. Anker auf gehen wir unter Segeln. Eigentlich wollen wir bis Altwarp durchsegeln, telefonieren aber unterwegs mit der Wolga-Crew und treffen uns vor Ückermünde. Die Kamera wird hinübergereicht und Monika macht für uns ein paar Fotos von unserem Schiff unter Segeln. In der Lagunenstadt machen wir nebeneinander fest. Mit Wolga fahren wir gemeinsam in die Stadt, erledigen unsere Einkäufe und speisen leckeren Fisch.

Auch in Stettin treffen wir Nordsterner. Nachdem Nordwind den Mast gestellt hat, fahren wir unter den Mastkran um zu legen. Gemeinsam mit Marianne und Wolfgang sowie einer Crew von den Wannseaten verbringen wir einen netten Abend. Am nächsten Tag müssen wir leider Goodewind mit gelegtem Mast oderaufwärts fahren. Ein schöner Urlaub geht zu Ende und als wir wieder am SCN-Steg liegen, verbringen wir noch zwei Tage an Bord, weil wir uns von unserem Schiff nicht trennen wollen.

Norbert Kruschel und Gabi